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2011-10-20

Königlich Niederländische Geografische Gesellschaft zu Besuch beim Unternehmerverband MiLaN in Wietzow


Großes Interesse für Probleme am Tollensetal
 
Prof. Leo Paul von der Universität Utrecht hat diese Bildungsreise organisiert. Den meisten der 40 Teilnehmer, viele von ihnen Dozenten für Geografie, einige aber auch für Deutsch und Geschichte oder im Ruhestand war die Region bis dahin unbekannt. Der Nordkurier berichtete über den Besuch: „Ich wollte hier her, um den Leuten zu zeigen, was für eine wunderbare Landschaft, Kultur und Geschichte es hier gibt“, so Leo Paul. So nächtigte seine Truppe im Neetzower Schlosshotel, nahm die Wasserburg Quilow in Augenschein, informierte sich beim in Stolpmühler Verein „Naturstation Peenetal e.V.“ und besichtigte die Wikinger-Grabanlage bei Menzlin. Zuletzt ging es ins Tollensetal nach Wietzow, wo im dortigen Schloss Ferienwohnungen angeboten werden und der Unternehmerverband „Mit Lust an Natur“ (MiLaN) seinen Sitz hat. Vermieter und Vereinssprecher Jörg Kröger gab den Gästen nur einen kurzen Einblick zu Schloss und Park, weil drinnen eine große Gesprächsrunde zum Thema Umwelt, Tourismus, Landwirtschaft und Agrarindustrie anstand. Denn während Leute wie er das Fremdenverkehrsgeschäft anzukurbeln versuchen und dort neue Arbeitsplätze schaffen, entsteht fast in Sichtweite auf Alt Telliner Gemarkung Europas größte Schweinezuchtanlage. „Das ist für uns eine ganz schlimme Sache und in jeder Hinsicht nicht mehr zeitgemäß“, verdeutlichte der Gastgeber. Sinn mache die Ferkelfabrik nur für einen – den niederländischen Investor.
 

Gutshaus und Park verdeutlichen die touristischen Chancen der Region
 
Und weiter aus dem Nordkurier: Der (Investor, Anm. BI) und seine umstrittenen Praktiken seien vielen der Reiseteilnehmer keineswegs unbekannt, war von Leo Paul zu erfahren. Zumal es auch in Holland große Diskussionen um Großviehanlagen gibt. Doch egal, wie man dazu stehe oder auch zum Investor – zumindest in dieser Nähe zum Tollensetal sei so etwas unpassend. Ohnehin vermisst Paul in Vorpommern echte Bauernwirtschaften, von einem richtigen Markttag könne selbst in Greifswald nicht die Rede sein. Denn einheimisches Obst und Gemüse würden kaum feilgeboten, das sehe in den Niederlanden anders aus. „Hier bei ihnen ist die Balance nicht gegeben“, urteilte der Professor und machte als Hauptverantwortlichen die Landespolitik aus. Er geht allerdings davon aus, dass die meisten Mitreisenden nun zu Hause kräftig Reklame für unsere schöne Region machen. Denn das pommersche Hinterland der Küsten und großen Hansestädte sei insbesondere für die reisefreudigen Niederländer ein interessanter Anlaufpunkt, spiele in der Tourismuswerbung der Deutschen dort aber leider keine spürbare Rolle. „Ich habe mich immer geärgert, dass das Marketing von Mecklenburg-Vorpommern bisher so dumm war“, sagte Paul.
 

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